Von der Steinaxt zum Space Shuttle: Klebstoffe erobern die Welt

Das Kleben ist eine der ältesten und wichtigsten Kulturtechniken der Menschheit. Frühe Klebstoffe wie Birkenpech erlaubten unseren Vorfahren, Waffen und Werkzeuge zu fertigen, um sich gegen eine feindliche Umwelt durchzusetzen.

Ötzi hatte Pfeile mit Birkenpech

Birkenpech war über Jahrtausende hinweg als Klebstoff im Gebrauch. Dieser frühe Kleber wurde eingesetzt, um Werkzeuge oder Waffen aus Stein und Holz zusammenzuhalten. Das Pech kommt nicht natürlich vor, sondern muss gezielt hergestellt werden.

Griechen nutzen Fischleim

Die Kunst des Leimsiedens wurde von den alten Griechen mit einem offenbar besonders effektiven Fischleim weiterentwickelt. In Griechenland bildete such auch erstmals der eigenständige Berufszweig des Leimkochers heraus: Der Name „Kellopsos“ bezeichnet dem Klebstoff Experten.

1690 entsteht die erste Klebstoff-Fabrik in den Niederlanden

Nachdem Gutenberg im Spätmittelalter den Buchdruck erfand, gab es Bedarf an neuen Leimen / Klebstoffen für die zuverlässige Bindung von Büchern. Später sah man Leimsiedereien in ganz Europa. Ihre Produkte wurden bis weit ins 20. Jahrhundert eingesetzt.

Innovatives 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert kamen die Klebstoff-Innovationen: 1909 läutete ein patentiertes Verfahren zur Phenolharz-Härtung das Zeitalter der modernen Klebstoffe auf Basis künstlicher Rohstoffe ein. Nur drei Jahre später wurde das patent auf Polyvinylacetat an Rollet und Klatte erteilt.

1930 wurde von Drew in den USA das transparente Klebeband entwickelt. 1932 gelang dem Apotheker Fischer in Bühl der erste gebrauchsfertige Klebstoff auf Kunstharz-Basis. 1969 feierte in Düsseldorf der erste Klebestift der Welt Premiere. Auf dem Hightech-Sektor sind Klebstoffe heute von unschätzbarer Bedeutung: Sie werden z.B. in Smartphone, Flugzeugen, Autos und Verpackungen eingesetzt. Beim Fahrzeugbau kommen dank modernster Klebetechnik leichtere Verbundstoffe zum Einsatz, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.